Hauptmann und Zeitgenossen - Eine Annäherung
Ein schulisches Projekt zum Jahr 2015



Gerhart Hauptmann und
seine Frau Marie Hauptmann
Bekannt ist das Diktum Hauptmanns über die vier Jahre in Erkner als "Ecksteine" seines Schaffens allemal.

Diese Worte - und weitere explizite Verweise auf Erkner und die märkische Erde - zieren nicht nur den Beginn einer der weitverbreitetsten Biographien über sein Leben und Wirken. Sie sind auch Teil des Selbstverständnisses der immer noch jungen Stadt Erkner geworden, eines Selbstverständnisses, dass inzwischen dazu geführt hat, dass Erkner im Namenszusatz seit 2012/13 den Titel "Gerhart-Hauptmann-Stadt" trägt. Was hat nun dieser Gigant deutscher Literatur noch heute jungen Menschen, 17- oder 18-jährigen zu sagen? Wie nähern sich heutige Schülerinnen und Schüler den Großen, Vergangenen ihrer Heimat?

Diesem spannenden Anliegen widmeten sich 2014 einige Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse des Erkneraner Carl-Bechstein-Gymnasiums. Sie wollten herausfinden, was noch von den Vorzeit-Prominenten ihrer Heimat bekannt und am Leben ist.

Und so entstand der Plan, sich mit "Hauptmann und seinen Zeitgenossen" zu beschäftigten. Mit bekannten Prominenten und Exprominenten, die aber trotzdem unsere Heimat mit prägten. Es gab keine festen Kriterien, wer da nun in Frage käme, einzige Auswahlparameter waren: Lebenszeitgenossen Hauptmanns und zumindest partielle Lebensortverwurzelung in etwa dieser Zeit in Erkner und Umgebung.

So kam eine kleine Collage von bekannten Zeitgenossen Hauptmanns zustande, alles Männer. Männer, die in Erkner, Grünheide, Woltersdorf und Berlin-Friedrichshagen lebten und wirkten. Zumindest für die Friedrichshagener Dichterfreunde ist ein unmittelbares und wichtiges Zusammenwirken mit Hauptmann bekannt. Inwieweit Hauptmann den anderen jemals bewusst begegnet ist ... wer weiß! Aber in gedanklicher Nähe zu dem einen oder anderen kann Hauptmann durchaus gesehen oder vorgestellt werden.

Die weiteren Vorgestellten sind nicht nach Bedeutung oder "Größe" ausgewählt, es waren die Altprominenten, die 17-, 18jährigen bei ihrer Recherche in den Heimatorten am meisten genannt wurden, so kamen Fidus für Woltersdorf; Georg Kaiser für Grünheide; Julius Rütgers, Leo Hendrik Baekeland, Carl Bechstein für Erkner und die Berlin-Friedrichshagener Wilhelm Bölsche und der Friedrichshagener Dichterkreis in die Auswahl.

Der Biberpelz - Uraufführung:
21. September 1893
Und dann starteten die einzelnen Schüler. Ja, dass es ein Hauptmannmuseum gibt, Schulen in Grünheide und Berlin-Köpenick, dass jede Gemeinde hier Straßen nach ihm oder seinen Werken benannt hat, das ist natürlich ein Teil des Überlebens im öffentlichen Bewusstsein. Und gleiches oder ähnliches gilt natürlich auch für die anderen Vorzeit-Prominenten. Schon der Name der eigenen Schule, des Carl-Bechstein-Gymnasiums, zeugt von einer Lebendigkeit, genau wie eine Bölschestraße oder die Baekelandbrücke.

Aber das ist auch nur der institutionelle Teil, der mitdokumentiert wurde. Was die Schülerinnen und Schüler dann noch interessierte, war die Frage: Was sehen Menschen, die sich noch heute mit den Vorzeitprominenten intensiv beschäftigen in ihnen, welchen Wert sehen sie in einer Annäherung für junge Menschen?

Dazu befragten die Schülerinnen und Schüler mal Experten, um profunde Antworten zu bekommen, mal den einfachen Bürger auf der Straße, um den Lebensweltcheck zu wagen.

Herausgekommen ist dabei eine breite Vielfalt an Meinungen. Diese Vielfalt zeigt ... ja was? Das liegt im Auge des Betrachters, ok, mitunter eher im Ohr des Zuhörers. Aber auf alle Fälle geben die Äußerungen der Interviewten und Befragten einen lebendigen Einblick in die Realität der Auseinandersetzung und Aneignung von Vergangenem. Und dass das einigen Jugendlichen gelang, ist auch schon etwas.

Wir präsentieren hier nun erstmals zu den Hauptmanntagen 2015 die inhaltlich sehr unterschiedlichen Ergebnisse in einer Jugendlichen genehmen Form (auch diese Umsetzung war Teil des Projekts), in der Hoffnung, dass diese Versuche Gleichaltriger für Schüler/innen eine erste Begegnung mit den Untersuchten erleichtert.

Der Weg ist das Ziel ... jeder, der ihn beschreitet, hat schon gewonnen.


Andreas Stoye-Balk